CHINAHIRN Lexikon: ren yao 人妖 – das menschliche Monster

Es waren keine sehr positiven Worte, die man in der Volksrepublik China lange Zeit zur Bezeichnung von Transgender benutzt: ren yao – das menschliche Monster. Inzwischen tituliert man diese Minderheit etwas freundlicher: kuaxingbiezhe ((跨性別 者), was mit cross genders übersetzt werden kann. Diese Bezeichnung stammt ursprünglich aus Taiwan, das bei LGBTQ-Themen eine Vorreiterrolle eingenommen hat. So hat Taiwan beispielsweise als erstes in Asien die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt. So weit ist man auf Festland-China noch lange nicht. Auch Transgender haben dort nach wie vor kein einfaches Leben. Das fängt in der eigenen Familie an. Nach einer Umfrage akzeptieren knapp 90 Prozent der Familien keine Transgender in ihren Kreisen. „That may reflect a Chinese culture that emphasizes traditional gender norms”, heißt es in dem Artikel “Public Opinion of Transgender Rights in China” der School of Law an der UCLA. Außerhalb der Familie würden Transgender hingegen eher akzeptiert. Aber nur langsam trauen sich Vertreter dieser sexuellen Minderheit an die Öffentlichkeit. Zum Beispiel die Influencerin Abbily, die als Mann geboren wurde und sich 2021 zu einer Geschlechtsumwandlung entschloss. „I have become a real girl now“, kommentierte sie nach der erfolgreichen Operation. In den sozialen Medien wurde dies überwiegend positiv kommentiert, auch wenn nach wie vor viele Chinesen die Tatsache, im falschen Geschlecht geboren zu sein, als eine Krankheit betrachten (siehe den UCLA-Artikel). Viele Eltern reagieren nach wie vor entsetzt, wenn sich eines ihrer Kinder diesbezüglich outet. Statt dies zu akzeptieren, stecken sie ihre Kinder lieber in sogenannte Konversations-Therapien. So ging es zum Beispiel der 28jährigen Influencerin Ling’er, die von ihrer Mutter 97 Tage in eine solche Therapie geschickt wurde, wo man sie mit Elektroschocks behandelte, ihre Haare abschnitt und wo sie Männerkleider tragen musste. Sie klagte gegen diese Behandlung und bekam Ende Oktober 2024 vor einem Gericht in Qinhuangdao Recht und 60 000 Yuan Schmerzensgeld zugesprochen. Ein richtungsweisendes Urteil. Zwar akzeptierte China im März 2019 die Empfehlungen des UN Human Rights Council zum Bann von Diskriminierungen gegen LGBTQ-Menschen, aber praktisch wird in vielen medizinischen Kreisen Chinas das Transgender-Problem nach wie vor als eine Krankheit angesehen. Entsprechend werden Operationen zur Geschlechtsumwandlung häufig abgelehnt, was die Patienten entweder zu Operationen bei dubiosen Geschäftemachern oder im Ausland zwingt. Und nach wie vor brauchen Kinder, egal wie alt sie sind, die Zustimmung ihrer Eltern zu einer Geschlechtsumwandlung.

Info:

Hier ein Beitrag des China Media Project zur Definition von ren yao: https://chinamediaproject.org/the_ccp_dictionary/tranny/

Und hier der Artikel der UCLA: https://williamsinstitute.law.ucla.edu/wp-content/uploads/Public-Opinion-Trans-China-English-Jun-2021.pdf

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