CHINAHIRN liest…

Geisterdämmerung von Kevin Chen. Ich kannte – muss ich zu meiner Schande gestehen – Kevin Chen bislang nur als Schauspieler. Im Film „Global Players“ von Hannes Stöhr spielte er einen chinesischen Geschäftsmann, der ein Fabrikle auf der Schwäbischen Alb kaufen wollte. Doch Kevin Chen ist viel mehr als nur ein Schauspieler, er ist ein künstlerisches Multitalent. Der auf Taiwan geborene, seit 2005 in Berlin lebende Chen ist Journalist, Übersetzer – und eben auch Schriftsteller. In Taiwan hat er bereits mehrere renommierte Literarturpreise gewonnen, zuletzt 2020 den Taiwan Literature Award. Eines seiner jüngsten Werke ist nun auch auf Deutsch erschienen: Geisterdämmerung. Im Mittelpunkt steht Keith Chen, der in sein Heimatstädtchen Yongjing zurückkehrt, nachdem er aus der Haft in Berlin entlassen wurde, wo er seinen deutschen Lebensgefährten T umgebracht hat. Im inzwischen heruntergekommenen Yongjing trifft er auf seine noch lebenden vier Geschwister, aber auch in Geistergestalt seine nicht mehr lebenden Eltern und die anderen bereits toten Geschwister. So entstand ein buntes Sittengemälde einer taiwanesischen Familie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, das ein Rezensent sogar mit den opulenten Werken von Gabriel Garcia Marques vergleicht. In dem Roman steckt viel Autobiographisches von Kevin Chen – außer natürlich, dass er seinen Freund umgebracht hat.

Info:

Kevin Chen: Geisterdämmerung, Matthes & Seitz, 383 Seiten, 26 Euro.

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