Demnächst öffnet die neue Fuyao University of Science and Technology (FYUST) ihre Pforten. Fuyao ist nicht der Name einer Stadt, sondern eines Unternehmens. Fuyao produziert Glas , vor allem für die Autoindustrie, und ist inzwischen einer der größten Autozulieferer der Welt. Gründer der Fuyao Group ist Cao Dewang (78). Er spendete zehn Milliarden Dollar seines Vermögens für diese Universität. Im Mai 2021 verkündete er diese Idee. Ein Jahr später war in Fuzhou, der Hauptstadt der Provinz Fujian, Baubeginn. Ende 2023 war der Campus fertig. Im März dieses Jahres gab das Bildungsministerium in Beijing die Zustimmung für diese private Hochschule, die sich zunächst auf vier Fächer beschränkt: Computerwissenschaft, intelligent manufacturing, Autobau und Materialwissenschaften. Rund 8000 Studenten sollen dort studieren können.
Die FYUST liegt voll im Trend, denn es ist mittlerweile Usus, dass sich reiche Unternehmer im Bildungssektor engagieren. Laut einem Bericht des Hurun-Instituts, das die jährlichen Reichsten-Listen herausgibt, geben 70 Prozent der größten Spender aus der Wirtschaft ihr Geld für Bildungsprojekte aus. Sie folgen damit dem Appell von Xi Jinping, dass sich Unternehmer stärker für die Gesellschaft engagieren sollen. Schon 2020 sprach Xi Jinping in einer Rede von einem gewissen Zhang Jian. Er war in der Qing-Dynastie ein Industrieller, der über 300 Schulen gegründet hat.
Aber schon vor Xis Appellen gab es erste Engagements von Unternehmern im Bildungssektor. Einer der ersten war der Autohersteller Geely (der auch an Daimler beteiligt ist). Geely gründete bereits 1999 in Beijing ein Geely College. Im März 2020 wurde es mit Genehmigung des Bildungsministeriums zur Geely University aufgewertet und der Campus zog um von Beijing nach Chengdu. Spektakulär war die Gründung der Westlake Universität im Oktober 2018 in Hangzhou. Dahinter steckte nicht ein Unternehmer, sondern drei Dutzend, darunter Tencent-Gründer Pony Ma und Wanda-Chef Wang Jianlin. Die am idyllischen West Lake gelegene Uni ist inzwischen eine etablierte Institution, die immer wieder ausländische Spitzenkräfte oder chinesische wissenschaftliche Heimkehrer aus den USA anlockt.
Auf die Anwerbung frustrierter US-Wissenschaftler – ob chinesischen Ursprungs oder nicht – zielen auch zwei andere, gerade entstehenden Privatunis. In der Hafenstadt Ningbo spendierte der Chip-Unternehmer Yu Renrong rund 6,4 Milliarden Dollar für den Bau des Eastern Institute of Technology (EIT). Nachdem bislang dort nur Doktoranden unterrichtet wurden, werden nun auch Studenten aufgenommen.
Eine weitere Uni ist in der Planung: die Qiantang University. Spender ist hier Zhong Shanshan, der reichste Mann Chinas (Vermögen: 62 Milliarden Dollar). Der Getränkeunternehmer – seine bekannteste Marke ist das Wasser Nongfu Spring – will einen ganz neuen Typus von Universitäten bauen, ohne allerdings konkreter zu werden. Dafür will er zehn Milliarden Dollar zur Verfügung stellen. Das kündigte er auf der Hauptversammlung seines Unternehmens im Januar an. Dort erläuterte Zhong Shanshan auch das Motiv, warum er sich im Hochschulbereich engagiert: „When our economic level has reached a point where we have the ability to contribute to human society, Yangshengtang (so der Name seines Unternehmens) cannot be absent.“ Solche patriotischen Sätze dürften Xi Jinping gefallen haben.